Women*s Society Berlin – from female philanthropy to feminist philanthropy

Wann haben Sie das letzte Mal Geld verschenkt, gespendet oder jemandem finanziell geholfen? Was war Ihre Motivation? Anna Poeschel, Gründerin der Women*s Society Berlin, beschreibt die finanziellen Herausforderungen der Geschlechtergerechtigkeit – und was jede* von uns durch genderinformiertes Spenden dagegen tun kann.

 The Rise of Female Philanthropy

Frauen sind finanziell schlechter gestellt als Männer, das gilt heute noch genauso wie früher. Und dennoch waren Frauen schon immer Gebende. Im Kleinen wie im Großen. Eines hat sich jedoch geändert: Frauen besitzen heute ca. 40% des globalen Reichtums. Einerseits handelt es sich dabei um ererbtes Vermögen: Frauen als Erbende sind geschichtlich gesehen ein neues Phänomen. Aber der Anteil wächst und wird weiter signifikant ansteigen, wenn die Männer der Baby Boomer Generation sterben und ihre Frauen und Töchter sie beerben. Andererseits erringen Frauen zunehmend größere finanzielle Freiheit durch erarbeitetes Geld: Das Einkommen von Frauen trägt heute signifikant zum Haushaltseinkommen bei.

  1. Frauen spenden

Mit dem Transfer von Vermögen und der zunehmenden ökonomischen Macht von Frauen verändert sich auch die Spendenlandschaft. In den jüngeren Generationen treffen häufiger Frauen die Entscheidungen über das Spendenverhalten eines Haushaltes. Über alle Einkommensklassen zeigt sich, dass Frauen anders als Männer spenden. Sie geben aus anderen Gründen, an andere Empfänger und auf andere Weise: mutiger, nachhaltiger und verantwortungsbewusster für das, was ihnen gegeben wurde. Einige Frauen, die diese Art des Spendens im ganz großen Stil leben, haben in letzter Zeit Schlagzeilen gemacht: MacKenzie Scott, Melinda French Gates, Ruth Gottesman oder Marlene Engelhorn. Doch nun kommt das große ABER: Frauen spenden zwar viel, aber sie spenden nicht für Frauen und Mädchen.

  1. Das Paradox der Female Philanthropy

So ist  unter den SDGs (Sustainable Development Goals – den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen) das Ziel Nummer 5 – Genderequality and empowerment of women and girls – laut einem OECD-Bericht von 2020 eines der am schlechtesten finanzierten Nachhaltigkeitsziele.

Es gibt für Deutschland nur wenig belastbare Daten, aber auch hierzulande ist der Anteil der Spenden für Frauen und Mädchen am gesamten Spendenaufkommen verschwindend gering.

Dabei zeigen zahlreiche Studien, dass sich mehr Geschlechtergerechtigkeit positiv auf so gut wie alle Lebensbereiche wie für Klimaschutz, gesellschaftlicher Zusammenhalt oder Ernährungssituation auswirkt. Geschlechtergerechtigkeit ist ein High-Impact-Investment. Von ihr profitieren nicht nur Frauen, sondern die ganze Gesellschaft.

  1. Feministisches Geben ermöglichen: Die Women*s Society Berlin

In diesem Zusammenhang könnten wir uns die Frage stellen, warum es mit Herausforderungen wie dem Klimaschutz, der Überwindung von Hunger und Armut, guter gesundheitlicher Versorgung und anderen SDG-Zielen nur so schleppend voran geht?

Meine Antwort: Weil die falschen Menschen an den Entscheidertischen sitzen. Anstatt also mit anzuschauen, wie toxische Männlichkeit unseren Planeten Schaden zufügt, müssen wir andere Perspektiven voranbringen.

Wie können wir das erreichen? Wir können gezielt Organisationen unterstützen, die sie sich professionell für mehr Gendergerechtigkeit und den Abbau systemischer Ungerechtigkeiten einsetzen. Die Women*s Society gestaltet pro Jahr drei bis vier Giving Circles und andere Aktionen, die neben einem demokratischen und transparenten Spendenprozess auch gemeinsames Lernen und einen geschützten Raum zum Netzwerken bieten.

Feministisches Spenden bedeutet gezielt in eine andere, eine geschlechtergerechte Welt zu investieren. Es geht darum Strukturen zu verändern. Das kann man erreichen, indem man entweder an explizit feministische Organisationen spendet oder seine Spenden nach feministischen Kriterien organisiert.

Feministisch spenden heißt praktisch:

  • Projekte unterstützen, die nicht nur Symptome lindern, sondern an den Ursachen ansetzen.
  • Kleinere Organisationen bedenken! Gerade kleine, innovative Initiativen brauchen die Unterstützung am dringendsten.
  • Potenzielle Spendenziele nach feministischen Kriterien prüfen: Arbeitet die Organisation transparent, nachhaltig, partizipativ, machtkritisch? Werden Betroffene in Entscheidungen einbezogen?
  1. Fazit

Frauen bewegen immer mehr Geld – und sie tun es auf ihre eigene, nachhaltige und empathische Weise. Aber sie geben zu wenig für ihre eigenen Rechte und Gleichstellung. Feministische Giving Circles und feministische Philanthropie bieten innovative Wege, um gemeinsam Verantwortung zu übernehmen und echten Wandel zu bewirken. Diese Form des Gebens ist mehr als nur finanzielle Unterstützung, es ist ein Beitrag zu mehr Gerechtigkeit und Teilhabe. Vielleicht ist genau heute der Tag, an dem Sie den ersten Schritt machen, um mit Geld oder Engagement aktiv gesellschaftlichen Wandel mitzugestalten.

Quellen

Autorin: Anna Poeschel, Gründerin. Der
Women*s Society Berlin e.V. ist ein 2023 gegründeter feministischer Giving Circle,
der Organisationen von und für Frauen* und Mädchen – vornehmlich finanziell – unterstützt:
www.womenssociety.de

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2025-09-24T12:52:22+02:00

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