„Der beste Job der Welt“

Seit 14 Jahren ist Astrid Münster Bürgermeisterin von Bad Düben. Als Frau im Amt hat sie sich durchgesetzt. Sie geht auf in ihrer Funktion, hat aber schon manche schwere Stunde erlebt. Was Kommunalpolitik angeht, macht ihr heute keiner mehr was vor.

„Die Kinder hier, die kennen nur die Bürgermeisterin. Jemand anderes als Bürgermeister kennen die gar nicht“, sagt sie nachdenklich. Nach der Wende hat sie Jura in Würzburg studiert, für das Staatsexamen kam sie in den Osten zurück. Über die Funktion als Elternsprecherin und ihre Arbeit im Schulförderverein bekam sie Lust auf mehr. Zunächst haben die Bad Dübener sie in den Stadtrat gewählt, wo sie als Vorsitzende des Finanz- und Sozialausschusses aktiv war. Als der alte Bürgermeister in den Ruhestand ging, wollte sie es wissen. Sie kandidierte und – Volltreffer – sie wurde gewählt: „Sie müssen dorthin gehen, wo die Leute sind. Aus dem Rathaus heraus regieren, das klappt nicht“, stellt sie fest. „Ich bin ständig im Austausch mit den Leuten, damit die verstehen, wie ich ticke. Und ich will verstehen, wie die Menschen ticken.“

Frauen als Chefinnen im Rathaus sind nach wie vor selten anzutreffen. Rund elf Prozent der Rathäuser in Sachsen sind derzeit in Frauenhand. Astrid Münster wundert das nicht. Oft gehe es um ihr Aussehen: Frisur, Kleidung. Vor allem Männer trauten ihr den Job als Alleinerziehende nicht zu, stellten sie gern mal als unwissend hin. „Bei so etwas ruhig zu bleiben, mich nicht aufzuregen, das musste ich erst lernen“, so Astrid Münster. Und auch heute noch gibt es Situationen, die ihr zu schaffen machen: „Die Leute sind stolz auf ihre Bürgermeisterin, ja. Aber wenn etwas nicht läuft, dann sagen sie dir das auch knallhart ins Gesicht.“ Da müsse man sich schon ein dickes Fell zulegen.

Mentoring-Programm: „Bürgermeisterin werden!“

Um anderen Frauen den Weg ins Amt zu erleichtern, beteiligt sich Astrid Münster als Mentorin am Programm „Bürgermeisterin im Fokus“ von Frauen aufs Podium. Gefördert vom Sächsischen Justizministerium setzt sich der Verein dafür ein, dass Frauen den Beruf der Bürgermeisterin für sich entdecken. Wer als Chefin ins Rathaus einzuziehen möchte, kann sich als Mentee am Programm beteiligen. Vorgesehen sind Schnuppertage mit Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern – also die Teilnahme an Sitzungen und Terminen der Rathaus-Verantwortlichen. Workshops, Vernetzungstreffen, Reflexionsgespräche und eine gemeinsame Arbeit in Erfolgsteams stehen ebenfalls auf dem Programm.

„Ich hätte damals gern so ein Programm mit Tipps und Tricks gehabt. Da hätte ich so manches Fettnäpfchen vermeiden können“, blickt Astrid Münster zurück. Sie rät Frauen, sich erst einmal in ein Ehrenamt, etwa den Stadtrat, wählen zu lassen. „Verwaltungsstrukturen und die späteren Mitarbeitenden lassen sich so am besten kennenlernen“, sagt sie.

Parteizugehörigkeit, Wahlkampf, Kooperationspartner, soziale Absicherung, Stellenwechsel, Haupt- oder Ehrenamt, Familie: All diese Themen sind relevant für die Frauen, wenn sie über eine Kandidatur nachdenken.

“Sich über diese Themen auszutauschen, die Wege ins Amt besser zu verstehen, Mut zu gewinnen und am Ende die richtige Entscheidung zu treffen – das ist es, wobei wir die Frauen mit unserem Programm unterstützen wollen”
– Bettina Praetorius, Vorständin des Vereins “Frauen aufs Podium”

Astrid Münster ist dabei. „Dass wir Frauen uns gegenseitig den Rücken stärken und unsere Netzwerke ausbauen, darum geht es doch“, sagt sie. Trotz all der Widerstände und der Aufgabenflut, die resolute Frau freut sich auf die nächsten vier Amtsjahre: „Das ist der beste Job der Welt.“

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2024-06-11T11:28:49+02:00

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