Mit Rückenwind in die Kommunalpolitik

Die Veranstaltung „Mehr Frauen in der Kommunalpolitik“, die am 15.11. in Leipzig stattfand, war für mich ein sehr gelungener Einstieg bei „Frauen aufs Podium“. Es war die erste Veranstaltung, bei der ich mitmachen konnte. Auch wenn ich beruflich immer bei einem Bundesverband tätig gewesen bin, weiß ich natürlich, wie wesentlich für den Erfolg der Arbeit das Engagement der Mitglieder, der Zivilgesellschaft, der Bürger:innen vor Ort ist.

Kommunalpolitik wird m. M. nach häufig unterschätzt, dabei entscheidet sich oft an der Kommunalpolitik, ob sich Menschen mit ihren Anliegen, Forderungen, Beschwerden etc. gehört und gesehen fühlen. Damit die Lebensumstände von Frauen ein stärkeres Gewicht in der Kommunalpolitik erhalten, müssen sich mehr Frauen einmischen und einmischen können.

Genau dafür setzt sich „Frauen aufs Podium“ ein: für Wertschätzung, Entscheidungsmacht, Möglichkeiten, Ressourcen für Frauen, so dass ihre Themen, Forderungen, Problembeschreibungen und -analysen im politischen Handeln entsprechend Berücksichtigungen finden. Das ist wichtig und spannend, aber wie lässt sich das praktisch umsetzen? Ich fuhr also mit viel Neugier nach Leipzig.

Sofort konnte ich spüren: Die Atmosphäre ist freundlich und offen, alle sind an den Erfahrungen der anderen interessiert. Die Teilnehmenden sind hier, weil sie Anregungen und Austausch suchen. Sie sind – nach meinem Eindruck – auf der Suche nach Wegen zu ganz konkreten Veränderungen und Möglichkeiten im Hier und Jetzt ihres Alltags, um sich für ihre (kommunal)politischen Anliegen Gehör und Rückenwind zu verschaffen.

In den drei Arbeitsgruppen wurden nicht „nur“ Probleme beschrieben, sondern die Teilnehmenden konnten sich gegenseitig ein positives Feedback dazu geben, wie sie in ähnlichen Situationen agiert haben, was vielleicht erfolgversprechend ist, was nicht so gut gepasst hat.

Sehr positiv empfand ich es, dass in der zentralen Fishbowl-Diskussion individuelle und strukturelle Probleme und Problemlösungserfahrungen sehr offen vorgestellt und besprochen werden konnten.

Einige Stichworte dazu, die ich mir notiert habe:

Essenziell für die Beteiligung von Frauen in der Kommunalpolitik:

  • immer Kinderbetreuungszeiten organisieren
  • Regeln und Mechanismen fest etablieren, um die Teilnahme von Frauen abzusichern (bspw. in Bezug auf Sitzungszeiten/Sitzungslängen/Online-Konferenzen), aber auch Begrenzung von Redezeiten (Stichwort: Kommunikationskodex)
  • Durch persönliche Kommunikation und Ansprache Frauen für Kommunalpolitik interessieren und binden

Für Erfolg und Selbstvertrauen ist es wichtig:

  • Sich selbst kennenzulernen, eigene Stärken zu identifizieren und mit diesen Stärken offensiv nach außen zu gehen
  • Netzwerke von Gleichgesinnten aufbauen
  • Mutig sein und „sich immer in die erste Reihe setzen“
  • Mit Humor und Selbstbewusstsein dem „Gegenwind“ standhalten

Es wurde auch darüber gesprochen, warum es Spaß macht, sich in der Kommunalpolitik zu engagieren:

  • Vielfältigkeit kennenlernen, bspw. welche Themen sind wichtig für die Zivilgesellschaft?
  • Welche zivilgesellschaftlichen Initiativen gibt es?
  • Wertschätzung erfahren
  • „Nah an den Menschen“ Veränderungen zum Positiven erreichen

Was wünschten sich die anwesenden Politikerinnen von ihren männlichen Kollegen?

  • Sie sollten sich stärker zurücknehmen
  • Weiblichen Kolleginnen mehr Raum lassen
  • Selbstreflexion der Männer über die Bedeutung von Männlichkeit im Patriachat

Zum Abschluss des Fishbowls ging es um Zukunftsvisionen:

  • Stärkere Vernetzung im Kampf gegen Neonazis, weil es um die Demokratie geht
  • Stärkere Präsenz von Frauenthemen auch und gerade in der Presse und allgemeinen Öffentlichkeit
  • Frauen in der Politik müssen sichtbarer für die Stadtbevölkerung werden; (deshalb wünschen sich die Leipzigerinnen natürlich eine Oberbürgermeisterin für Leipzig)

Das war ein Tag, der sich „gelohnt“ hat. Viele der Teilnehmerinnen sind sicher bestätigt und gestärkt in ihrem Entschluss, sich kommunalpolitisch engagieren zu wollen, aus der Veranstaltung gegangen. Auch bei den teilnehmenden Männern hatte ich den Eindruck, dass ihr Problembewusstsein für die Hürden und Hindernisse, mit denen Frauen beim Einstieg in die Politik konfrontiert sind, nochmals geschärft worden ist und sie aus den Diskussionen wichtige Impulse für praktische Veränderungen mitnehmen konnten.

Autorin: Werena Rosenke

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2025-12-08T06:45:43+01:00

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