Warum noch ein Verein?

"Warum gründest Du noch einen Frauenverein?" Diese Frage wird mir oft gestellt. Vor allem von Frauen, die sich schon lange mit dem Feminismus beschäftigen. Und sie klingt eher vorwurfsvoll. Ja, warum noch eine Organisation? Warum der Verein Frauen aufs Podium?

Für mich gibt es viele Gründe:

Ich finde es unfassbar oder eher unerträglich, dass es im 21. Jahrhundert noch immer keine Gleichstellung von Männern und Frauen gibt. Ich habe beschlossen, meine Lebenszeit ganz bewusst für das einzusetzen, was für mir am Wichtigsten ist: Ein ausgewogenes, respektvolles Zusammenleben für Menschen aller Geschlechter. Und ich möchte selbst Chefin sein. Denn nur als Chefin nimmt man mich ernst. Und nur wenn ich ernst genommen werde, kann ich meine Ideen auch durchsetzen.

Ich bin davon überzeugt, dass der Schlüssel für unsere Zukunft eine Gesellschaft ist, in der alle Menschen die gleichen Rechte, Pflichten, Chancen und Möglichkeiten haben. Das ist die Voraussetzung, um zugleich unseren Wohlstand und unsere Natur zu erhalten.

Wir brauchen eine gleichberechtigte Verteilung von Macht und Einfluss. Eine ebenbürtige Wertschätzung im Denken und Handeln. Nur so werden wir es schaffen,  achtsamer mit der Natur umzugehen. Nur so können wir die Weltwirtschaft gerechter und mit weniger Kriegen, Leid und Hunger gestalten. Die Zukunft ist komplex. Dafür brauchen wir komplexes Denken, das niemanden und nichts ausschließt.

Aber warum noch einen Verein? Vielleicht, weil die großen Frauenverbände schon so lange existieren und unsere Gesellschaft sich immer noch im Schneckentempo bewegt. Vielleicht, weil ich wie viele andere Frauen auch das Gefühl hatte vor einem geschlossenes System zu stehen. Ein interner Zirkel mit Hierarchien, Seilschaften und Herrschaftswissen. Dabei brauchen wir mehr Solidarität. Positiv ausgedrückt: Je mehr Organisationen für die Gleichberechtigung kämpfen, desto besser! Solange sie zusammen und nicht gegeneinander arbeiten.

Frauen aufs Podium will durch viele Beispiele aufrütteln und zeigen, dass wir noch nicht am Ziel sind. Und dass es wichtig ist, aufmerksam und selbstbewusst zu sein und frühzeitig die Weichen zu stellen, um sich jeden Tag aufs Neue für eine gleichberechtigte Gesellschaft einzusetzen. Denn nur durch eigenes Tun lässt sich etwas verändern. Für uns und alle Mädchen und Frauen, die nach uns kommen.

Frauen aufs Podium rüttelt wach und fördert mit Programmen Frauen in der Politik, in der Kunst, in Unternehmen. Schritt für Schritt und überall dort, wo es notwendig ist. Weil Gleichberechtigung der Schlüssel für unsere Zukunft ist. Es gibt dafür keinen Beweis, aber einen Versuch ist es wert. Deshalb habe ich mich entschieden, noch einen Verein zu gründen.

Beitrag von Bettina Praetorius, Vorstand & Gründerin des Vereins Frauen aufs Podium.